antependium.rotZu Pfingsten und zum Reformationstag am 31. Oktober werden rote Antependien (lateinisch: ›Vorhang‹) vor den Altar und ans Predigtpult gehängt, um an die Urglut des Glaubens zu erinnern. Der Geist des HERRN erscheint in der Pfingstgeschichte wie Feuer, das vom Himmel herabregnet und Menschen erfasst und sie wie Lohen einhüllt. Das Geistfeuer ist nicht zu verwechseln mit den zerstörenden Feuersbrünsten, die Landschaften und Städte verwüsten können. Es ist vielmehr von der Art der Flammen am brennenden Dornbusch 2. Mose 3, es ist Feuer, das nicht verzehrt, und aus dem die Stimme Gottes spricht. Die Farbe Rot symbolisiert Gottesgegenwart, die anfeuert, die Begeisterung entfacht, die Urkräfte weckt und den Glauben mit dem Anfang, mit der Schöpferkraft Gottes verbindet. Zugleich ist das Rot ein Leuchtfeuer, eine Peilmarke und eine Fackel, die den Gläubigen den Weg leuchtet. Beide Motive – Urkraft und Weggeleit – vereinigen sich in der biblischen Geschichte von der Wüstenwanderung des Volkes Israel, wo es heißt, dass Gott der HERR Seinem Volk einen Weg bahnte und es selbst begleitete: am Tag als Wolkensäule und in der Nacht als Feuerfontäne. Beide Formen sind Naturerscheinungen entliehen, wie man sie von einem ausbrechenden Vulkan kennt, der des Nachts rotgoldene Lava auswirft und tagsüber von Aschewolken umgeben ist, unter denen sich glühendes Magma bewegt. Neues entsteht, aus der Tiefe des Ursprungs, das ist die Botschaft. Wenn wir die neuen Antependien einweihen, achten Sie auf das rote Motiv, das wie lohende Flammen über glühenden Scheiten brennt und sich fast zu bewegen scheint. Uwe Vetter

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