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logo-rp 15.11.2014


Eine Oper für die Johanneskirche

Das »Düsseldorf Festival« hat seinen ersten Kompositionsauftrag vergeben

Von Armin Kaumanns

»Eine Oper von heute« lautet der Untertitel des Werks »Abraham«, das der seit ein paar Jahren in New York lebende Schweizer Jazz-Saxophonist und Komponist Daniel Schnyder sofort vor Augen und Ohren hatte, als Johanneskirchen-Kantor Wolfgang Abendroth ihn anrief. Der erteilte ihm namens des Düssseldorf-Festivals einen Kompositionsauftrag. Die Oper solle in Kirchenräumen aufführbar sein, von ambitionierten Kirchenchören singbar und mit großem Orchester und Solisten besetzt.

Dass Schnyder den alttestamentarischen Stoff um den biblischen Urvater im Sinn hatte, erstaunt nur auf den ersten Blick: Die konfuse und gewalttätige Familiengeschichte, aus der als Abrahams Söhne die beiden Gründer der jüdischen beziehungsweise islamischen Religion, Ismael und Isaak, hervorgingen., steht für ganz aktuelle Themen, die das Zusammenleben in einer multikulturell geprägten Gesellschaft betreffen.

Zum ersten Mal vergibt das »Düsseldorf Festival« einen Kompositionsauftrag. Christiane Oxenfort, einer der beiden Intendanten des vormaligen Altstadtherbstes, hat für das 300.000-Euro-Projekt neben Sponsoren auch die Kunststiftung NRW ins Boot geholt, die mit 50.000 Euro wieder einmal ein zeitgenössisches Musiktheaterprojekt fördert, aber sich auch eine überregionale Wirkung für das Festival erhofft, so Hans-Joachim Wagner, dort zuständig für Musik, Theater, Tanz.

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Daniel Schnyder (Foto: Jarek Raczek)

Für die Verwirklichung des Projekts hat sich die Johanneskantorei mit der Kantorei der Kreuzkirche Bonn zu einem 110-köpfigen Chor zusammengeschlossen, aus dem noch einmal ein rund 40-köpfiger Spiel-Chor heraustritt. Der wird, so der renommierte Regisseur Gregor Horres, wie ein antiker Chor die Handlung kommentierend antreiben. Die beschränkt sich auf die Familien-Erzählung, in deren Verlauf der alte, kinderlose Abraham zunächst mit seiner Sklavin Hagar einen Sohn zeugt (Ismael), später noch einen weiteren mit seiner greisen Frau Sarah (Isaak). Beide Söhne will er töten, beide Frauen sind einander feind.

Schnyders Art des Komponierens ist ein unentwegtes Verschmelzen von Musikstilen. Abendroth, der in einer Kostprobe die famose Sopranistin Theresa Nelles am Klavier bei der großen Klage-Arie der Hagar begleitete, spricht von »spätromantisch-jazzigen« Klängen, in die sich Elemente von Blues, Jazz, Weltmusik und Musical mischen. Schnyder hat die orientalischen Instrumente Nay und Saz eingesetzt, einen Perkussionisten mit arabischem Instrumentarium ausgestattet und spielt selbst Saxophon. Dazu gibt's das große klassische Sinfonieorchester. Horres findet dieses »pralle Crossover« wie geschaffen für die Thematik.

Als weiterer Akteur des »Abraham«-Projekts ist der Video- und Licht-Künstler Kanjo Také im Boot, der dem alttestamentarischen Stoff einen zeitgenössischen Raum inszeniert. Über der Spielstätte, die inmitten der Zuschauer platziert wird, hängt eine Gaze, auf der Videosquenzen ablaufen, die etwa die Zeugung Ismaels in eine Samenbank verlegen. Také will »stark emotionalisierende Farben« einsetzen, die der Multikulti-Geschichte in Multikulti-Musik eine Multikulti-Wahrnehmnung beifügt.

Oxenfort verrät Pläne, den »Abraham« im nächsten Jahr in Israel zu spielen, aber da seien noch etliche Hürden zu meistern. Für die Düsseldorfer Uraufführung ist erst einmal ein Beiprogramm terminiert: am 14. November spielt Daniel Schnyder mit Band »Arabian Nights« in der Johanneskirche; am 16. November findet daselbst ein Symposium zum aktuellen Zusammenleben der »Buchreligionen« statt.


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